Pasteurisiert mit 5 von 5 Sternen. Den Gedanken des Alpenreduits verstehen und anerkennen lernen.

General Guisan, ein hoch geachteter Militär, hat im Widerstand gegen den deutschen Faschismus seine Armee in die Berge zurückgezogen und das Tiefland und seine Bewohner mehr oder weniger in Stich gelassen. Die Strategie hat ihm viel nationale und internationale Anerkennung eingebracht. Wie kann das sein? Zuerst habe ich mich darüber lustig gemacht, war aber neugierig die Zusammenhänge zu verstehen. Markus Somm hat mich überzeugt und ich sehe die Sache heute anders.
General Guisan war in seiner Kindheit ein Aussenseiter, in der Schule unauffällig und nie im Mittelpunkt. Als Jungerwachsener hat er verschiedene Studiengänge begonnen, jedoch nie mit Diplom abgeschlossen. Am Ende hat er reich geheiratet und ist Landwirt (…und General) geworden.

War er ein Zivilversager? Hatte er einen Minderwertigkeitskomplex? Das waren so meine Gedanken, als ich auf den ersten Seiten des Buches noch nicht die ganze Geschichte kannte. Guisan ruft zum Widerstand auf, bis zur letzten Patrone zu schiessen und dann mit gezückter Waffe bis um Tod zu kämpfen. Naja, soldatisch halt.
Die eingekreiste Schweiz (Norden: Deutschland, Westen und Osten: die besetzten Länder Österreich und Frankreich, Süden: Mussolinis Italien und Frankreich) wurde stark unter Druck gesetzt. Kohle und Öllieferungen konnten jederzeit ausgesetzt werden. Wirtschaftlich konnte die Schweiz einfach abgeschottet werden. Not und Elend wären die Folge gewesen. Eine friedliche Aufgabe wäre eine der Möglichkeiten der Schweiz gewesen. Die Moral war am Tiefpunkt angelangt. Hitler stand im Süden bereits vor der Grenze. Die Regierung war schon beinahe bereit die Grenze zu öffnen. Doch dann kam Guisan und fordert zum Widerstand auf. Für das Militär war eine Überwachung und Sicherung der Grenzen mit vergleichsweise wenigen Soldaten gegen eine konzentrierte Übermacht nicht umsetzbar. Die Truppen wären aufgerieben worden. Nicht jedoch im Reduit. Schwer einnehmbar hätten feindliche Einheiten einen schweren Stand gehabt.

Die neutrale Schweiz belieferte die Alliierten und Deutschland mit Waffen. Der Transportweg Nord-Süd war für Hitlers Logistik äusserst interessant. Selbst wenn ein Alpenreduit eingenommen worden wäre, Fabriken, Tunnel, Brücken wären dem Feind nicht überlassen worden. Guisans Plan war die Abschreckung… und er hatte wenigstens ein Patt herausgeholt.
Ein interessanter Aspekt im Buch ist noch die eigenmächtige Verletzung der Neutralität durch Guisan. Wenn man diesen Abschnitt konsequent zu Ende denkt, wäre ein möglicher Schluss, dass die Schweiz am zweiten Weltkrieg und Hitlers ersten Erfolgen schuld war. Ohne die Absprachen zwischen Frankreichs Militär und Guisan wäre Hitler schon in den Ardennen geschlagen worden, womit der Krieg bereits 1940 beendet gewesen wäre… vor allem, da die Alliierten vor Hitlers Westfeldzug noch weit in der Übermacht waren.
Das Buch ist eine spannende Lektüre zur Lage der Schweiz während des 2. Weltkriegs, der politischen Kräfte in der Schweiz und dem Freiheitswillen des Volkes. Sehr empfehlenswert, wenn man den derzeitigen Rechtsdrall, das Einigeln, Rosinenpicken und die Weigerung zum EU-Beitritt verstehen will. Guisan ist eigentlich immer noch hochaktuell.
Links
Das Buch bei Amazon
Der Wiki-Eintrag zum Schweizer Reduit und zum General
Das Bild von General Guisan rechts oben
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen