Samstag, 27. Februar 2010

Verstoss gegen das Minarett-Verbot!

Ja, ich habe es getan! Ich habe vorsätzlich gegen das Minarett-Verbot verstossen! Dabei bin ich nicht einmal Anhänger des Islam. Die folgenden Bilder zeigen meine Untergrundmoschee mit Minarett.

Ich hoffe der Bau der Papiermoschee war kein Fehler, denn ich setze mich nun der Verfolgung durch SVP und EDU aus. Wenn ich die Papiermoschee in einigen Monaten einstampfen muss, komme ich vielleicht sogar in die islamische Hölle… oh Mannomann, was hab’ ich da nur schon wieder angestellt.

Ende November 2009 haben rund 54% der wahlberechtigten Schweizer den Gang zur Urne getan. Etwa 57% dieser Wähler haben sich für das Minarett-Verbot ausgesprochen und damit den schon seit Jahren beobachteten Rechtstrend in der Schweiz bestätigt. Noch ein wenig Statistik:

Gesamtbevölkerung CH ca. 7,7 Mio (=100%)
Stimmberechtigt      ca. 4,9 Mio (= 64%)
Ausländer (alle)     ca. 1,7 Mio (= 22%)
Ex-Ausländer=Eingebürgerte (meine Schätzung) 
                     ca. 0.7 Mio (=  9%)
(somit liegt der Anteil von ursprünglichen Ausländern bei ca. 31%)
Minarett-Gegner      ca. 1,5 Mio (= 19%)
Gleichgültige, Nicht-Gegner und Nicht-
Wahlberechtigte      ca. 6,2 Mio (= 81%)
Nun, soviel zum Thema Demokratie…

Ja, aber was regt mich an dem Minarett-Verbot eigentlich so auf? Es werden doch schliesslich keine Menschenrechte verletzt, da niemand wegen seines Glaubens verfolgt wird, oder? Nun ja, seit ich selbst ein Ausländer geworden bin, reagiere ich vermutlich empfindlicher auf faschistische Signale. Das Minarett-Verbot ist für mich nur die Spitze des Eisberges. Tatsächlich geht die Fremdenfeindlichkeit in der Schweiz noch viel weiter und so ist es auch nicht verwunderlich, dass auch die Deutschen ‘mal dran sind.

Bei der Hetze gegen Deutsche (Höhepunkt im Frühjahr 2008) hat die schweizerische Presse eine nicht unerhebliche Stimmungsmache zu verantworten. Wie leicht ein Volk sich manipulieren lässt, kann man schön in dem folgenden Videoclip (Szene aus dem Film Cabaret) erkennen. Diese Szene bereitet mir immer wieder eine Gänsehaut.

Seit die Presse wieder etwas ruhiger geworden ist, kommt es auch weniger zu ausländerfeindlichen Bemerkungen gegenüber Deutschen. Z.B. hatte ich einmal mit einer gepflegten und gut gekleideten Mittfünfzigerin den folgenden Dialog ausgetragen:

Ich (stehe an der Kasse, die Frau drängelt vor): “Haben Sie es eilig?”
Sie (von mir übersetzt aus dem Buuredütsch): “Nein, wie kommen Sie darauf?”
Ich: “Ich wollte gerade zahlen”
Sie: “Gehen Sie doch zurück, wo Sie hergekommen sind”

Mit Humor kann man sowas gut wegstecken :-)

Die Steuersünderdateien-Diskussion hat den Rassismus wieder etwas hochkochen lassen. Diesmal kriegen jedoch nicht nur die Deutschen ihr Fett weg. So haben wir in der coop-Zeitung letztens das folgende Zitat von Klaus J. Stöhlker (PR-Mann) gefunden:

Wer jetzt die Deutschen nicht nimmt, wird morgen mit Afrikanern und Arabern leben müssen.

Da ist sie wieder, die berühmte Hackordnung in der Gesellschaft.

Die Fremdenfeindlichkeit ist tief im Denken verankert und es braucht nur kleine Anlässe, um sie freizusetzen, wie ehedem in Deutschland. Presse, Parteien und diverse Interessengruppen tragen hier eine spezielle Verantwortung für den inneren Frieden der Gesellschaft. Ich hoffe sie sind sich dieser bewusst.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen